Nach der Hamburgwahl: Nur Gewinner?
Montag, 25. Februar 2008, 00:43 Uhr
Abgelegt unter: public relations

Die CDU verliert 4,5 Prozent. Die SPD legt zu, verfehlt jedoch ihr Wahlziel einer Regierungsübernahme. Die Grünen sind nicht länger zweistellig. Die FDP verpasst den Einzug in die Bürgerschaft. Die Linke bleibt mit 6,5 Prozent weit hinter den Erwartungen zurück. Trotzdem preisen sich verbal – das fällt an diesem Abend wieder einmal auf – beinahe alle Parteien als Gewinner. Die FDP feiert ihren Stimmenzuwachs, die Linke feiert ihren Einzug in die Bürgerschaft. Die SPD feiert den Stimmenzuwachs und die CDU feiert, dass sie weiterhin stärkste Kraft ist – obwohl sie zum dritten Mal in Folge ihre absolute Mehrheit verloren haben. Ein vorbildliches Beispiel dafür, wie Politiker mit geschickter Wortwahl Verluste in absoluten Stimmen und Prozenten „schön reden“ ist CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla.

Das CDU-Ergebnis sei ein „historisch gutes Ergebnis“ und es dürfe „in Hamburg und Berlin gefeiert werden“. Noch geschickter wird Pofalla, wenn er von den drei vergangenen Wahlen (Hamburg, Hessen, Niedersachsen) spricht. Die CDU sei, so der Politiker, aus den drei Wahlen jeweils als stärkste Kraft und als klarer Wahlsieger hervorgegangen. Die Realität sieht freilich etwas anders aus: dreimal in Folge hat die CDU eine absolute Mehrheit verloren, dreimal in Folge hat die CDU in absoluten Stimmen und in Prozenten verloren.

Zwar sind die subjektiven Interpretationen der Wahlergebnisse – die von zwanghaften, selbst verleugnenden Optimismus zeugen – durchaus zulässig und akzeptiert. Von den eigenen Anhängern mögen sie auch übernommen werden. Andererseits können extrem einseitige Interpretation von Wahlergebnissen zugleich auch eine gewisse Politikverdrossenheit (oder zumindest eine resignierende Taubheit) bei den Bürgern befördern. Vor allem eine allzu offensichtliche „Falschinterpretation“ wirken eher lachhaft. Dem gewünschten Effekt - nämlich in der öffentlichen Wahrnehmung als Sieger zu gelten (und somit der Ergebnisinterpretation den gewünschten „Spin“ zu geben) – kann dies durchaus entgegenlaufen. Leider liegen hierzu keine Studien vor. Wäre aber sicher mal interessant zu wissen, wie die Wähler/Zuschauer auf diese Interpretationen reagieren.

Auch Gerhard Schröder hat mit seinem Verhalten und seiner Wortwahl nach der Bundestagswahl 2005 evtl. sogar verhindert, dass die CDU ihre Spitzenkandidatin Angela Merkel für das unerwartet schlechte Abschneiden (in Vergleich zu den Umfragewerten) der Partei verantwortlich macht und fallen lässt. Umgedreht kann man jedoch zugleich auch sagen, mit seinem standhaften Beharren darauf, ein Wahlsieger zu sein, hat Schröder seiner Partei eine starke Position für die Koalitionsverhandlung gesichert. Das Beispiel Schröder zeigt, wie zweischneidig dieses verbale Schwert ist. Die Interpretation von Wahlergebnissen ist eben eine echte Herausforderung für die politische Kommunikation.


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